3. Der allgemeinpädagogische Begriff des "Praktischen Lernens" als didaktischer Ansatz für den Geschichtsunterricht

"Wozu Geschichte? Weshalb gibt es ein Fach im Stundenplan, das für unser Leben nach der Schule keine Bedeutung hat?"

Als ich mich erstmals voller Enthusiasmus in die von mir eigenverantwortlich zu unterrichtende Klasse 9c der Realschule Nastätten begab, wurde genau diese Frage an mich gerichtet. Überdrüssig von einem Fach, das letztendlich nur mit Zahlen und abstrakten Fakten verbunden wurde, zeigten sich die Schüler wenig motiviert und geschichtsmüde. Für mich stellte sich nun die Frage: Wie könnte ich ihnen einen Weg bahnen, der sie zu der Erkenntnis bringt, selbst ein Teil dieser Geschichte zu sein, zu begreifen, dass das Hier und Jetzt der Schüler das Ergebnis eines langwierigen historischen Prozesses ist und dass Entscheidungen, die von Urahnen getroffen wurden, noch heute eine gesellschaftliche Relevanz besitzen? Jeder Einzelne ist eingebunden in das sozial-historische Ganze, er selbst kann mitwirken, Veränderungen erzeugen oder Entscheidungen beeinflussen. Geschichte ist somit ein aktiver Prozess - keine tote Materie. Hinter den so abstrakt wirkenden Fakten stehen handelnde Menschen!

Die Realschule Nastätten, welche eine der zehn Pilotschulen des Modellversuchs "Verbund Selbstwirksame Schulen" ist, lässt sich durch das Motiv leiten, "die Förderung von Eigenitiative und die Stärkung von Eigenverantwortung" bei Schülern zu erzielen. Ein Projekt der Schule, das als selbstwirksamkeitsfördernd eingeschätzt wird und die Öffnung der Schule erzielen soll, steht unter dem Motto "Institutionen und Personen kennenlernen", denn "mit offenen Augen unsere Gesellschaft betrachten, hilft beim Erwerb von Orientierungen, Informationen und Standpunkten". Dazu wird auch die selbstgesteuerte Recherche gerechnet.

Was lag also näher als die Schüler selbst aktiv werden zu lassen, Geschichte erlebbar zu machen und durch bewusstes, eigenständiges Handeln und Erfahren aus der Rolle des bloßen Konsumenten von Wissen herauszutreten und zu erkennen, dass das schulische Lernen letztendlich eine Hilfestellung für gesellschaftlich bedeutende Eigenverantwortlichkeit und praktische Innovation eines jeden Einzelnen außerhalb des schulischen Alltags liefern kann?

Ein sinnvoller didaktischer Ansatz in diese Richtung bietet das "Praktische Lernen".

 

3.1. Das Reformkonzept Praktisches Lernen und dessen pädagogisch-didaktische Begründung

Seit 1983 besteht ein Förderprogramm der Robert-Bosch-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Akademie für Bildungsreform, das sich zum Ziel setzt, die Wege des "Praktischen Lernens" in den Schulalltag zu integrieren, somit eine Veränderung und Umorientierung der Schule zu bewirken und eine lebenstaugliche, erfahrungsbezogene allgemeine Bildung anzustreben.

Der Wandel des Aufwachsens der Schüler macht diese Umorientierung notwendig. Im anwachsenden Konkurrenzkampf innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft zeigt sich ein "ambivalentes Antlitz der Moderne": Zwar wurde ein Freiraum für Kinder geschaffen, der ihnen ihrem Entwicklungsstand entsprechend einen Schonraum bot und sie von der Erwachsenenwelt distanzierte, jedoch dadurch die Kinder mehr zu reinen Zuschauern dieser Lebenswelt machte. "Dem Gewinn an persönlichen Freiräumen und Entfaltungsmöglichkeiten stehen zweifellos substantielle Verluste an eigener unmittelbarer Erfahrung gegenüber". Erfahrungen werden nicht mehr selbst gemacht, sondern vieles scheint den Schülern aus den Medien bereits bekannt zu sein. Die Schule sollte daher nicht nur bei der bloßen Wissensvermittlung verharren, sondern zusätzlich das Defizit an eigenen Erfahrungen bei Schülern ausgleichen, indem sie selbst zum Lebens- und Erfahrungsraum wird. "Hier wird Erfahrung als Selbsterfahrung wichtig", die "durch die Wiederherstellung des verlorengegangenen Zusammenhangs von Aneignung und praktischer Anwendung" ermöglicht werden soll.

Sowohl "Praxis" als auch "Lernen" sind innerhalb des "Praktischen Lernens" als Begriffe mit doppelter Dimension zu verstehen.

Der Begriff des "Lernens" wird meist, in Anlehnung an das Lernmodell des deutschen Bildungsrats, als zu vollziehende kognitive Leistung verstanden. Über den Wissens- und Kenntniserwerb sollte der Mensch in die Lage versetzt werden, immer neu zu lernen. Demgegenüber vertritt das Lernmodell des Club of Rome einen mehr gesellschaftskritischen Ansatz. Er fordert ein innovatives Lernen, das sich kontinuierlich an die veränderten Lebensbedingungen anpasst und Lösungsansätze liefert, um weltweite Krisen bewältigen zu können. Beide bergen, laut dem Konzept des Praktischen Lernens, sowohl Stärken als auch Schwächen. Während das Lernmodell des deutschen Bildungsrates allein auf die kognitiven Fähigkeiten abzielt, fehlt es dem Lernmodell des Club of Rome an einer inhaltichen Zielsetzung. In der Verbindung von beiden Dimensionen sieht die Projektgruppe "Praktisches Lernen" eine Chance, die Stärken beider Modelle aufzuzugreifen und deren Schwächen dadurch ausgleichen zu können.

 

Die Dimension des "Lernens" beim Praktischen Lernen

Lernmodell des deutschen Bildungsrates:

Lernen als kognitive Leistung. Über den Erwerb von Kenntnissen und Fertigkeiten sollte die Fähigkeit entstehen, immer wieder neu zu lernen.

ð wissenschaftsbestimmter Ansatz

Lernmodell des Club of Rome:

Innovatives Lernen als Lösungsansatz zur Bewältigung weltweiter Krisen, um in offenen und komplexen Handlungssituationen Alternativen zu entwickeln und zu bewerten.

ð fortschrittskritischer Ansatz

Kritik: zu enge kognitive Prägung Kritik:keine inhaltliche Konkretisierung


"Praktisches Lernen" versucht Schwächen und Einseitigkeiten beider Positionen aufzuheben:

Verbindung von konstruktiv-praktischem Lernen
mit sinnerfüllt-lebensdienlichem Lernen

 

Der Begriff der "Praxis" gewinnt innerhalb des Praktischen Lernens ebenfalls eine doppelte Dimension: "Erstens meint "Praxis" eigenes Tätigsein und eigene Wirksamkeit der Lernenden, durch welche bildungsbedeutsame Erfahrungen ermöglicht werden. Zweitens zielt der Begriff auf die gesellschaftlich bedeutsamen Praxen, für die sich das schulische Lernen öffnen soll. "Praktisches Lernen" findet demnach dann statt, wenn das Lernen Erfahrungen ermöglicht, die aus eigenem Tätigsein in gesellschaftlich bedeutsamen Zusammenhängen erwachsen."

Somit geht das "Praktische Lernen" über die reine Wissensvermittlung hinaus. Es schafft einen Lebens- und Erfahrungsraum für die Schüler, sodass Schule nicht nur als Institution der Wissensvermittlung, sondern auch als erfahrungsstiftende Einrichtung zu verstehen ist, denn "als Praktiker gilt, wer sich in der Welt zurechtfindet, im Alltag sachkundig, zweckgerichtet und erfolgreich handelt."

Die doppelte Dimension der "Praxis" beim Praktischen Lernen

Praxis = eigenes Tätigsein und eigene Wirksamkeit der Lernenden, durch welche bildungsbedeutsame Erfahrungen ermöglicht werden. Praxis = Öffnung des schulischen Lernens für gesellschaftlich bedeutende Praxen.

"Praktisches Lernen":

Ermöglichen von Erfahrungen, die aus eigenem Tätigsein in gesellschaftlich bedeutsamen Zusammenhängen erwachsen

 

Das eigene Tätigsein erleichtert zudem den Zugang zu abstrakten Themen. Das intensive Erleben und Handeln und die Konfrontation mit praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Erlernten schafft einen anderen Weg des Lernens neben dem meist rein kognitivorientierten Schulalltag. Hierbei sind besonders Themen dienlich, "die über die Schule hinaus für das Gemeinwesen bedeutsam sind" und somit auch für die Lebenswelt außerhalb des Mikrokosmos "Schule" einen allgemeingesellschaftlichen Erfahrungsgewinn für die Schüler liefern.

Dafür ist es nötig, dass sich die Schule selbst öffnet und nach außen tritt. Die Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen und Personen ermöglicht einen Zugang zu außerschulischen, gesellschaftlich relevanten Bereichen und verbindet das schulische Lernen mit Erfahrungen, die außerhalb der Schule gemacht werden.

Häufig handelt es sich hierbei um ein projektartiges Vorgehen, das ein fächerverbindendes bzw. fächerübergreifendes Lernen erforderlich macht, da verschiedene Tätigkeiten und Bereiche mit einfließen. Daher ist eine gute Absprache und Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Lehrern notwendig.

Eine weitere Schwierigkeit für die Lehrkraft ergibt sich daraus, dass die Schüler selbst ihre eigenen Erfahrungen, individuellen Wünsche und Schwerpunkte mit einbringen, sodass häufig kurzfristige Veränderungen bei der Planung notwendig sind und somit von dem Lehrer eine hohe Flexibilität und ein hohes Maß an methodisch-didaktischer Kompetenz voraussetzt. Die Wünsche der Schüler stehen demnach im Mittelpunkt, der Lehrer nimmt zunehmend die Funktion eines Helfers, Beraters und Organisators ein. "Didaktisch gesehen führt dies dazu, dass die Methodenkompetenz des Lehrers allmählich auch auf die Schüler übergehen kann."

Im didaktischen Bereich sind innerhalb des "Praktischen Lernens" viele verwandte Konzepte der Unterrichts- und Schulreform vertreten. Neben der Freinet- und Montessori-Pädagogik, die besonders im Grundschulbereich innerhalb der letzten Jahrzehnte zum Tragen kam und einen erhöhten Stellenwert auf schülerorientierte Freiarbeit und Selbsttätigkeit legt, fließt sowohl der handlungsorientierte Unterricht als auch das "Entdeckende Lernen" mit ein, die beide häufig einen Projektcharakter einnehmen. All diesen Bereichen ist gemein, dass sie versuchen, einen Zusammenhang zwischen Erfahrung, eigener Tätigkeit und Lernen bei den Schülern herzustellen. Genau dies ist auch ein Anliegen des "Praktischen Lernens", das sich die praktische Handlungsfähigkeit als Bildungsziel setzt und somit Fähigkeiten und Fertigkeiten bei den Schülern schaffen möchte, die lebens- und gesellschaftsrelevant sind und den Schülern auch in ihrem Leben "jenseits der Schule" aufgrund ihres individuellen Erfahrungs- und Bildungsprozesses Hilfestellungen bei Lösungsfindungen geben können, denn "gerade bei den Schlüsselproblemen und -aufgaben der Gegenwart ... geht es um Probleme einer vernünftigen menschlichen Praxis, zu deren Verständnis und Bewertung über bloßes Wissen hinaus Erfahrungen und eigenes Tätigsein gehören ... . Als gebildet kann dann gelten, wer gelernt hat, in mündiger Selbstverantwortung zu handeln."

3.2. "Praktisches Lernen" im Geschichtsunterricht

3.2.1. Allgemeine Überlegungen

Das Fach Geschichte gehört in der Regel nicht zu den beliebtesten Fächern bei den Schülern. Folgende Gründe mögen hierfür ausschlaggebend sein:

Aufgabe des Lehrers ist es, diese Barrieren, die den Zugang zu dem Fach Geschichte versperren, allmählich abzubauen, oder - sofern es sich um den Anfangsunterricht des Fachs in der 7. Jahrgangsstufe handelt - diese erst gar nicht aufkommen zu lassen.

Einen möglichen Ansatz, den Geschichtsunterricht anschaulicher und begreifbarer zu gestalten, bietet das "Praktische Lernen". Es löst sich von der reinen Wissensvermittlung ab, lässt die Schüler selbst aktiv werden und historische Strukturen und gesellschaftsgeschichtliche Konflikte selbst erfahren und erforschen. Diese didaktischen Aspekte, die offene Lernstrategien darstellen, sind nicht neu. Sie finden sich im handlungs- und praxisorientierten Geschichtsunterricht sowie im "Entdeckenden Lernen" wieder. Das "Praktische Lernen" versucht diese Ansätze sinnvoll aufzunehmen und zu einem Ganzen zusammenzufügen.

Für den Geschichtsunterricht bedeutet dies, dass die Schüler zwar über ein gewisses historisches Basiswissen verfügen müssen, dieses jedoch eigenständig ausbauen und in einer Produktionsphase intensivieren. Dabei ist es wichtig, den Lernort Schule zu verlassen, um sich auf Spurensuche in andere öffentliche Institutionen zu begeben. Das Kontaktieren dieser öffentlichen Einrichtungen (Archive, Museen, Ämter u.a.) zeigt den Schülern, dass sie selbst als Bürger aktiv werden können. Sie sind somit in den historischen Prozess mit eingebunden. Das "Mittendrin" ist hier enscheidend!

Geschichte wird nicht mehr als tote Materie betrachtet, sondern als ein durch Menschenhand herbeigeführter Prozess. Dies steigert die Identifikation mit den historischen Geschehnissen und vor allem mit dem handelnden Menschen. Die praktische Herstellungsphase und die damit verbundene Zusammenarbeit mit öffentlichen Institutionen ermöglicht zusätzlich den Schülern einen individuellen Erfahrungsgewinn, der ihnen in ihrem weiteren Leben zugute kommt.

Für das Fach Geschichte bietet es sich an, ein geschichtliches Thema unter lokalhistorischen Aspekten zu betrachten. Dies bietet für die Schüler und somit auch für die Unterrichtseinheit folgende Vorteile:

"Praktisches Lernen" unter Berücksichtigung lokalhistorischer Aspekte steigert somit die Motivations- und Identifikationsmöglichkeit der Schüler. Ferner ermöglicht es den Schülern, sich selbst auf Spurensuche zu begeben, um mehr über die Menschen und ihre Geschichte in ihrem heimatlichen Gebiet erfahren zu können, denn "Antworten erhält nur, wer die Geschichte genau zu befragen versteht". Da jedoch diese Lokalgeschichte immer wieder eingebettet ist in die überregionalen Ereignisse, besteht die Möglichkeit, einen Bogen zur Universalgeschichte zu schlagen. Regionalgeschichte ist somit als Teil eines Ganzen zu verstehen.

Zu sehen, dass Menschen selbst handelten, um gesellschaftspolitische Strukturen aufzubrechen oder zu stützen, schafft das Bewusstsein, dass die Möglichkeit in unserer Gesellschaft besteht, eigenverantwortlich handeln zu können und als politisch mündiger Bürger aktiv zu werden.

 

3.2.2. Der Vergangenheit auf der Spur: Die Zusammenarbeit mit dem Archiv im Vorfeld

Dreh- und Angelpunkt der von mir konzipierten Unterrichtsreihe ist sicherlich die Arbeit mit Originaldokumenten und der damit verbundene Archivbesuch der Schüler. Hier findet "Praktisches Lernen" im besonderen Maß statt. Die Lerngruppe wird nicht nur mit den Archivalien konfrontiert, sondern erfährt auch eine Erweiterung ihrer Methodenkompetenz. Die Schüler werden mit der Möglichkeit und der praktischen Durchführung von Recherchen vertraut und lernen das Archiv als öffentliche Institution kennen. Ihnen wird bewusst, dass jeder Bürger selbst forschen kann und Zugang zu den meisten Dokumenten erhält. Zum anderen erfahren sie, dass die erzählende Form der Geschichtsbücher und die darin aufgeführten Quellen auf dieser Recherchearbeit basieren und somit das Geschichtsbuch nur eine subjektive Auswahl der Autoren zu einzelnen historischen Ereignissen darstellt.

Um den Schülern einen guten Einblick in die Archivarbeit und eine sinnvolle Möglichkeit der Eigenrecherche zu liefern, war es nötig, im Vorfeld das Archiv zu kontaktieren und selbst Recherchen zum Thema durchzuführen. Daher muss sich der Lehrer selbst auf "Spurensuche" begeben, um diese auch nachher der Lerngruppe zu ermöglichen.

Anlaufstelle für die Arbeit an diesem Thema war das Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, da sich hier ein Großteil der regionalgeschichtlichen Unterlagen zur Zeit der 48er-Revolution befindet. In Wiesbaden, der ehemaligen Hauptstadt des Herzogtums Nassau, erhoffte ich, für den Unterricht und die Recherche sinnvolle Dokumente finden zu können.

Bei meinem ersten Besuch konnte ich zu meiner Freude feststellen, dass sich in dem Archiv eine Ausstellung zu eben diesem Thema befand, die bis zum Jahr 1999 andauern soll. Neben ausgestellten Originaldokumenten bot sie einen groben Überblick über die Geschehnisse in den Jahren 1848/49 im Herzogtum Nassau. Unter anderem fand sich hier auch ein Schreiben des Amtmanns Müller aus Nastätten an das Sicherheitscomité zu Wiesbaden mit der Bitte, Gewehre zur Einrichtung einer Bürgerwehr zu erhalten.

Zusätzlich erfuhr ich, dass das Hauptstaatsarchiv einen pädagogischen Mitarbeiter, Herrn Müller-Henning, beschäftigt, der speziell Archivbesuche von Lerngruppen vorbereitet. Relativ schnell konnte ich einen Termin mit ihm direkt nach den Sommerferien vereinbaren. Die Zeit während der Ferien nutzte ich, um selbst im Hauptstaatsarchiv Recherchen durchzuführen, Akten, Flugblätter, Zeitungen u.ä. ausheben zu lassen und zu sichten. Aus dieser Vielzahl die richtige Wahl zu treffen, war wohl die zeitintensivste und schwierigste Aufgabe. Welche Unterlagen sind für den Unterricht geeignet, welche zu schwierig oder zu nichtssagend, welche veranschaulichen die Zustände und Ereignisse der Revolutionszeit am besten? Nach den Sommerferien hatte ich eine Auswahl an Dokumenten getroffen, die ich für den Unterricht als sinnvoll erachtete.

Eine große Hilfe bei der Vorbereitung des Archivbesuchs war mir Herr Müller-Henning, der sich stets als sehr aufgeschlossen, kompetent und engagiert erwies. Mit ihm fanden mehrere intensive Gespräche statt. Gemeinsam konzipierten wir ein uns sinnvoll erscheinendes Programm und stellten eine Auswahl an Dokumenten zusammen, welche die Klasse für ihre Recherche sichten konnte. Die Zusammenarbeit erwies sich als sehr fruchtbar, sodass auch ich meine Methodenkompetenz erweiterte.

Das Staatsarchiv stellte uns freundlicherweise 12 Exemplare des Ausstellungskatalogs kostenlos zur Verfügung, damit die Schüler diese im Unterricht benutzen konnten.

Schwierigkeiten ergaben sich bei der terminlichen Absprache. Da diese recht früh erfolgen musste, Herr Müller-Henning stand nur dienstags und donnerstags zur Verfügung, war es unsicher, ob der Archivbesuch genau zu dem vorgesehenen Zeitpunkt meiner Unterrichtsreihe, nämlich im Anschluss an die fünfte Stunde, stattfinden konnte. Zusätzlich galt es, den Termin mit den Fachlehrern und dem Schulleiter abzusprechen, ein günstiges Angebot eines Busunternehmens einzuholen und die Kostenfrage zu klären. Fachlehrer und Schulleiter erwiesen sich jedoch als sehr kooperativ. Da meine Mentorin im Fach Deutsch selbst in dieser Klasse unterrichtet, war es mir möglich, mit ihr fächerübergreifend zusammenzuarbeiten, sodass sie ihren Deutschunterricht auf die thematischen Schwerpunkte meiner Unterrichtsreihe abstimmte und sich entschied, ebenfalls an dem Archivbesuch teilzunehmen.

Offen blieb die Frage, ob die investierte Zeit den angestrebten Erfolg bei den Schülern erzielen würde.