Die Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt

Rollenkarte: Die Konservativen
Gruppe 1: Die Konservativen treffen sich zur Beratung im ,,Café Milani“


Ein Journalist der ,,Freien Zeitung“ führt ein Interview mit dem konservativen Felix Ernst Fürst von Lichnowsky:


FREIE ZEITUNG: Fürst von Lichnowsky, Sie und andere Gleichgesinnte treffen sich hier im Café, um über Ihre Ziele zu sprechen. Zeichnen sich schon einige Gemeinsamkeiten zwischen Ihnen allen ab?

Fürst Lichnowsky. Nun, das Hauptziel der Konservativen ist natürlich schon in ihrem Namen enthalten. Wir möchten, dass das Bestehende erhalten bleibt. Mit der Revolution möchten wir nichts zu tun haben.

FREIE ZEITUNG. Ja, aber warum sitzen Sie dann überhaupt in der PauIskirche?

Fürst Lichnowsky: Tja, eine Gemeinsamkeit haben wir natürlich alle im Parlament: Wir möchten die deutsche Einheit herbeiführen. Das wollen wir Konservativen auch. Das neue Deutschland müsste ein etwas gestärkter Deutscher Bund sein. Die Fürsten sollten auf jeden Fall ihre Stellung bewahren. damit für Ruhe und Ordnung gesorgt wird. Eine Regierung durch das Volk würde nur im Chaos enden. Schließlich wären die unwissenden Untertanen doch gar nicht in der Lage, politische Entscheidungen zu fällen. Deshalb treten wir auch nicht für das allgemeine Wahlrecht ein. Nur die Besitzenden, also die Wohlhabenden sollen das Wahlrecht bekommen. Diese haben in der Regel auch mehr Erfahrung in der Politik.

FREIE ZEITUNG: Demnach halten Sie wohl nicht viel von den Republikanern.

Fürst Lichnowsky: Keiner von uns Konservativen tut das. Das sind doch alles radikale Spinner, die von Politik keine Ahnung haben! Nein, nein, es soll schon alles so bleiben wie es ist.

FREIE ZEITUNG: Wer sollte denn an der Spitze des vereinten Deutschlands stehen? Sicherlich ein Monarch, oder?

Fürst Lichnoyvsky: Natürlich! Ich komme selbst aus Preußen und bin daher, wie die Mehrheit von uns Konservativen, dafür, dass der preußische König das neue Staatsoberhaupt wird. Wir wollen deshalb eine Monarchie als Staatsform.

FREIE ZEITUNG: Und sollen die deutschen Teile von Österreich auch zu dem neuen Staat dazugehören?

Fürst Lichnowsky: Nein. die meisten von uns vertreten die kleindeutsche Lösung. Das gibt sonst nur wieder Ärger. Osterreich ist ein Vielvölkerstaat. Ich glaube kaum, dass der österreichische Kaiser seinen Staat teilen würde. Und ganz Osterreich können wir nicht aufnehmen Es soll ja schließlich ein Staat der Deutschen sein. Wir wollen keine Ungarn und Serben!

FREIE ZEITUNG Fürst Lichnowsky, vielen Dank für das Gespräch.

Felix Fürst Lichnowsky, am 5. April 1814 in Grätz bei Troppau (Schlesien) geboren, trat 4834 in die preußische Armee ein und war von 1838 bis 1840 Generaladjutant des spanischen Thronanwärters Don Carlos. In der Nationalversammlung zählte er zum rechten Zentrum. Zusammen mit dem 1792 geborenen General Hans von Auerswald, einem politischen Freund, wurde er am 18. September 1848 während des Aufstands in Frankfurt ermordet.
Bereitet euch auf eine Debatte in der Nationalversammlung zu dem Thema: “Welche Verfassung soll der deutsche Staat bekommen?" vor. Wie soll dieser deutsche Staat für euch Konservative aussehen? Denkt daran. dass ihr auch eure Meinungen innerhalb der Debatte stichhaltig begründen müsst. Denkt dabei an:
  • Staatsform: Monarchie oder Republik?
  • Wahlrecht: allgemeines oder Zensuswahlrecht?
  • Gebiet: kleindeutsche oder großdeutsche Lösung?

Hinweis:

Zur Veranschaulichung der klein- und großdeutschen Lösung kann euch die Karte auf der Seite 49 eures Geschichtsbuchs helfen.