Die Nationalversammlung in der Paulskirche in Frankfurt

Rollenkarte: Präsidium

Ein Journalist der ,,Freien Zeitung“ führt ein Interview mit dem Präsidenten Heinrich von Gagern

FREIE ZEITUNG: Herr Präsident, Sie haben eine schwierige Aufgabe übernommen. Zeichnen sich denn schon einige Gemeinsamkeiten den verschiedenen Gruppierungen in der Nationalversammlung ab?

Heinrich von Gagern. Nun, das Hauptziel der Nationalversammlung sollte es sein, eine Verfassung für das deutsche Reich zu schaffen.

FREIE ZEITUNG. Ja, aberist dies bei den verschiedenen Vorstellungen, die in der Paulskirche vorherrschen, überhaupt möglich?

Heinrich von Gagern: Tja, eine Gemeinsamkeit haben natürlich alle im Parlament: Wir möchten die deutsche Einheit herbeiführen. Hier bieten sich natürlich die verschiedensten Möglichkeiten. Grundsätzlich scheinen drei Richtungen vorzuherrschen. Die größten Schwierigkeiten ist dabei sicherlich die Entscheidung für die Staatsform.

FREIE ZEITUNG: Wer sollte denn an der Spitze des vereinten Deutschlands stehen?

Heinrich von Gagern: Das ist in der Tat die wohl am schwierigsten zu lösende Frage. Der preußische König böte sich als das neue Staatsoberhaupt an. Ob dafür eine Mehrheit zu finden ist, muss die Diskussion erst zeigen.

FREIE ZEITUNG: Und sollen die deutschen Teile von Österreich auch zu dem neuen Staat dazugehören?

Heinrich von Gagern: Ja, auch diese Frage ist noch völlig offen. Hier muß sicherlich noch lange um eine gemeinsame Lösung gerungen werden.

FREIE ZEITUNG Heinrich von Gagern, vielen Dank für das Gespräch.

Heinrich von Gagern, am 20. August 1799 in Bayreuth geboren, studierte Rechtswissenschaften, begründete in Heidelberg die Burschenschaften mit und trat 1821 in den Staatsdienst von Hessen-Darmstadt. 1832 wurde er in die 2. Kammer gewählt, ein Jahr darauf wegen seiner liberalen Politik pensioniert. Am 19. Mai 1848 wählte die Nationalversammlung ihn zu ihrem Präsidenten. Am 15. Dezember wurde er Reichsministerpräsident und verfocht in dieser Eigenschaft das »kleindeutsche« Programm unter Führung eines preußischen Erbkaisers. Nachdem Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone abgelehnt hatte, legte er am 10. Mai 1849 das Amt des Minister­präsidenten nieder und schied zwei Wochen später, als die Paulskirche immer stärker unter den Einfluß der Linken geriet, aus der Nationalversammlung aus. Am 22. Mai 1880 starb er in Darmstadt.
Arbeitsaufträge Gruppe 4: „Präsidium“

1. Bereitet euch auf die Leitung der Debatte in der Nationalversammlung zu dem Thema: „Welche Verfassung soll der deutsche Staat bekommen?" vor. Wie soll dieser deutsche Staat aussehen? Stellt dazu eine Tagesordnung auf.

· Staatsform: Monarchie oder Republik?

· Wahlrecht: allgemeines oder Zensuswahlrecht?

· Gebiet: kleindeutsche oder großdeutsche Lösung?

Hinweis:

Zur Veranschaulichung der klein- und großdeutschen Lösung kann euch die Karte auf der Seite 49 eures Geschichtsbuchs helfen.