Augenzeugenbefragung zu:

Als der Krieg zu Ende war - Auf Spurensuche in Remagen
Wiedergabe eines Tonbandmitschnittes vom 10.12.2024

Löffler: Mein Name ist Hermann Löffler, geboren 4.2.2025 in Sigmaringen. Mein Wohnort ist Remagen. Ich bin verheiratet. Meine Frau... Mein Beruf ist der Friseur. Noch mit 82 Jahren, ... um 14 Uhr gehe ich wieder arbeiten ...

Schäfer: Mein Name ist Werner Schäfer. Geboren in Löhndorf 1929. Wohne seit 1935 in Remagen. Bin von Beruf Installateur, Gas- und Wasserinstallateur... Habe 18 Jahre bei der Firma Krahl gearbeitet. Während der Kriegszeit von 43 an in der Lehre. Bis ... war ich bei der Firma Krahl, dann war ich dreißig Jahre in Remagen als Wassermann... mit 61 bin ich in den Unruhestand getreten. Ich bin verheiratet, habe drei Söhne. Alle gut verheiratet, in guter Position, mehr kann ich dazu nicht sagen. So...

(Christiane wiederholt kurz Fakten und gibt an, für welche Themenbereiche Herr Löffler und Herr Schäfer als Zeitzeugen befragt werden können)

SS: Was wissen Sie über die Leute im Tunnel, die im Film gezeigt wurden?

Schäfer: Das war die andere Seite. Damit hatten wir nicht so viel Kontakt gehabt. Der Tunnel war da. Der war 300 Meter lang und die Eisenbahnlinie lief zur Ahr zur anderen Rheinseite, mehr kann ich dazu nicht sagen zum Tunnel...

Löffler: Ich war beim Heeresgruppenstab.. Model. Der Heeresgruppenstab erhielt... Wir sind rüber auf die andere Seite... Diese verantwortlichen Offiziere waren fünf. Einer ist stiften gegangen, vier sind zum Tode verurteilt worden. Da war ich dabei als Zeuge wie es heißt. Wir waren mit unserem Panzerspähwagen... Wir hatten den Panzerspähwagen, den mussten wir absperren, wir mussten aufpassen, damit kein... Volksaufstand passiert,... und da wurden die vier im Wald erschossen. Das waren Major Scheller , Major Rathke...

SS: Im Film wurde ein Deutscher von Deutschen erschossen. Wissen Sie etwas davon?

Schäfer: ...da wissen wir nichts. Die letzten Deutschen sind rüber um - wann war dat so? – so halb drei. Da sind die letzten Deutschen rüber. Die ganze Nacht kamen nur Panzer , Soldaten, kamen die Bergstraße runter, und von der B 9 her, von Bonn her, wollten alle über die Brücke und dann auch einmal war Ruhe. Und dann kam eine Stunde, da war Totenstille. Wir wussten nicht, was jetzt kam, und über uns kam immer so ’n Amiaufklärer, der kam immer näher und je näher der kam, je näher kam der Ami. Und auf einmal stand der Ami vor uns. Wie? Bei unseren Deutschen ging dat „Schrapp, Schrapp, Schrapp“ und die Amis standen mit ihren Gummischuhen auf einmal vor uns. „Hands up!“ Ja, da haste... Hände hoch…

Nein, die kamen hier von Remagen, hier die Waldburg runter. Und da habe ich es erste Mal einen Schwarzen gesehen. Ich kann dir sagen, da war et mir n’bisschen mummelig. Dat kannte mir nur vom Krippche, vom Vergelt’s Gott... Ich war 15 Jahre alt, wenn ich euch jetzt sehe, 15 Jahre alte, 15 Jahr’, auf einmal steht da so’n Schwarzer vor die, so’n Kleiderschrank, watt jetzt? So und dann ging alles tout jour. Alles weiter über die Brücke, nich’. Und die Brücke ist zehn Tage später eingestürzt - durch Überlastung.

SS: Wurde der Zusammenbruch durch die Sprengung der Brücke herbeigeführt?

Schäfer: Nein, die war durch einen Treffer am Oberjoch, einen Treffer an der Brücke, von der Erpeler Seite, der war beschädigt. Und durch die Belastung von den Panzern,... immer drüber ist die eingestürzt. (Auswirkungen der Sprengung)... die ist nur hoch gegangen und hat sich wieder gesetzt.

Löffler: Das war das eine... die haben nämlich vom Heer Sprengmittel angefordert um die Brücke zu sprengen, und das Sprengmaterial ist nie angekommen. Da wurde die Notsprengung durchgeführt. Und daher hat die Brücke sich nur kurz gehoben und wieder gesenkt... Und dann haben sie noch einen großen Fehler gemacht. Sie sind hingegangen und haben Wasserbomben geworfen. Damit die Schnellbote den Rhein runter fahren konnten... durch die Vibrationen und die Schwingungen ist alles... und die Panzer und die Autos sind mit hinein. Niemals haben sie jemals was gefunden von den Fahrzeugen. Warum? Wenn eine Sprengung gemacht wird, ist der Druck am meisten nach der Seite, wo der Widerstand am größten ist – also nach unten... so einen riesengroßen Krater herausgerissen, so groß wie die Schule hier und da sind die Fahrzeuge alle hinein. Nach dem Krieg waren direkt Taucher hier... die waren hier und haben getaucht und getaucht und haben nichts gefunden. Und nach fünf Jahren kamen sie von Amerika hierher...

SS: Erinnern Sie sich noch, wie die Bevölkerung von Remagen zu der NSDAP stand?

Schäfer: Da war ich noch jung, da war ich im Jungvolk und später in die HJ gekommen. Man kannte wohl jemanden der – die hatten Goldfasan gehießen, die mit Kappen mit den Streifen dran. Und wie et zum Krieg anging - wie es zum Ende anging, da war kein Teufel mehr da. Da waren sie alle auf die andere Seite weg.

Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Synagoge gebrannt hat. 38! Da war ich neun Jahre alt. Da war ich auf der Mädchenschule, wo jetzt der Schuh Quick ist. Und da waren wir gucken, wie die Synagoge gebrannt hat. Das haben keine Einheimischen gemacht von der SA, dass haben die von der anderen Seite gemacht. Und die Remagener anschließend auf der anderen Seite,...

Und dann fing et an in Remagen... Das Schlimmste war was ich je miterlebt habe. Am zweiten Weihnachtstag, Mittags zehn vor zwölf ’44. Waren die 1. Angriffe auf Remagen. Vorher waren die Angriffe auf Sinzig. Da waren wieviel hundert Tote in ’nem Cafe – Cafe Zender. Und anschließend sind wir bombardiert worden in Remagen. Dann ging es weiter vom 28. Dezember bis zum 5. Januar. Jeden Mittag von zehn vor zwölf bis zwanzig nach zwölf der Angriff auf Remagen. Und dann kamen immer Einzelangriffe und in Remagen sind relativ wenig Leute umgekommen. Weil die immer morgens um 9.00 Uhr alle weg waren in den Wald. Die hatten sich da so Unterstände gebaut. Alle waren weg. Um 9.00 war Remagen tot. Bis fünf Uhr, dann kamen die wieder nach Haus’. Die Angriffe waren immer am Tage. Nacht ist nie einer gekommen. Nie. Nur am Tag die Amerikaner. Die Engländer kamen auch nachts – die sind aber nur drüber.

SS: Haben die ein bestimmtes Ziel gehabt?

Schäfer: Ja, die Brücke.

SS: Waren Sie davon betroffen?

Schäfer: Wir sind ausgebombt worden. Wir hatten einen Volltreffer. Sylvester zehn vor zwölf. Ende. Rien ne vas plus!

SS: Wo haben Sie gewohnt?

Schäfer: Auf der Sinziger Straße, bei der Firma Leyendecker, haben wir... Da haben wir mit den eigenen Händen wieder (macht eine grabende Geste) und gekött... also betteln..

Löffler (ergänzt): Ja, ich bin ein bisschen älter,... ich war allerdings in Sigmaringen und nicht in Remagen. (Er spricht darüber, seine Meinung zu sagen) Man musste.. Tot oder Leben, oder ins KZ. Man sagt oft „Hitler wir folgen dir“, wir wären sonst an die Wand gestellt worden. Man wurde sonst angeschwärzt.

SS: Haben Sie in der Schule Auswirkungen der Judenverfolgung bemerkt?

Schäfer: Nein, nichts. Nur wie es damals war. Früher war in der Schule das Kreuz drin. Wie es nach der Reichsprogromnacht war. Auf einmal wurde morgens die Gebete wenn wir in die Schule kamen. Erstens! Und paar Tage später auf einmal waren die Kreuze raus’. Und dann hieß es net mehr beten, sondern „Heil Hitler“. Ja! Und dann kamen die Evangelischen alle zu uns. Was früher nicht war, die waren getrennt und die Katholiken waren getrennt. Und wie... , da kamen die Evangelischen zu uns. Was früher nicht war, die waren getrennt und die Katholiken waren getrennt... Aber von der Judenverfolgung und von den KZ... (verneinende Geste). Nein, nein, bei uns nicht nur das in Remagen verschiedene Juden waren, die auf einmal dann über Nacht weg waren. Gibt Hinweis auf das Buch „Kreis Ahrweiler unterm Hakenkreuz“)

SS: Haben Sie erlebt, dass Leute, die nicht in die Partei eingetreten sind, Nachteile erfahren haben?

Löffler: Ich muss ihnen sagen. Ich war in keiner Partei drin, da mein Meister – mein Lehrmeister – der war Goldfasan. Das heißt, der war Amtswalter... Der wollte auch gar nicht, dass ich irgendwo eintrete. Wenn ich gebunden wäre, antreten und... (Passage darüber, dass er einen hohen NS-Funktionär jeden Tag rasieren musste. Er musste sogar Sonntags zur Verfügung stehen.)... Aber mit der Partei hatte ich nichts am Hut. Da wurde ich ja Soldat. 1938. Dann war’s aus. Also 1938 wurde ich eingezogen. Ich war kein Freiwilliger.

SS: Wie alt waren Sie, als Sie in das Lager gekommen sind?

Löffler: 20 Jahre! Moment mal. 34 Arbeitsdienst, 38 Soldat und dann ging’s ab... Da habe ich zum ersten Mal den Rhein gesehen... Wir dachten gar nicht an Krieg. Und dann auf einmal haben wir die Leute eingezogen. Mit Auto, mit allem...

Schäfer: Wir mussten reingehen. Ich bin Katholik. Wenn ich morgens in der Kirche war und kam ein bisschen später zum antreten, dann hatte ich Strafexerzieren... So war es in der HJ. Da waren Remagener drin gewesen. Gut, man kennt sie. Es ist vorbei. So war’s in der HJ. Und da hatte meine Mutter – Wir hatten Gebirgsjäger mal einquartiert. Die Gebirgsjäger hatten und, meiner Mutter und meinem Bruder ein Edelweiß von ihren Mützen gegeben. Die hatten früher schwarze Skikappen. Gut. Und in Remagen, der HJ – Führer hat die meinem Bruder von der Mütze gerissen, das Edelweiß abgerissen... Du Schwein du kriegst ’se! Na ja. Und eines Abends hat er’se gut auf die Schnauze gekriecht. Und ich bin angezeicht worden und entweder musste ich zur Waffen-SS oder ins Straflager. Da habe ich mich zur Waffen – SS gemeldet. Was sollte ich machen. Dann kam Gott sei Dank der Ami.

SS: Waren Sie so gesehen doch froh, dass der Krieg verloren war?

Schäfer: Normalerweise ja. Wenn wir als Katholiken und das deutsche Reich wäre groß geworden, dann wären wir – die Glaubensanhänger- die wären nach Sibirien gekommen. Und so sind wir geblieben. Ihr et euch net vorstellen...

SS: Wo waren Sie wenn Angriffe auf Remagen erfolgten?

Schäfer: Wer, wir? In den Kellern waren wir. Im Wald... und Unterständen. Die Nacht waren wir zu Hause... und Sylvester waren wir zu Hause und da ist ’ne Bombe auf’s Haus gefallen – und Ende. Man könnte es so sehen, man ist glücklicherweise davon gekommen.

SS: Wurde für die HJ Werbung gemacht?

Schäfer: Für NSDAP, für alles was da war!

SS: Wie, über Plakate?

Schäfer: Auf Plakaten. (wieder Verweis auf das Buch „Ahrweiler unter dem Hakenkreuz)

SS: Wurde auch in der Schule Werbung gemacht?

Schäfer: Ja! – Das ist Jahre her, da weiß ich so viel auch nicht mehr! Und dann noch a propos.

Als die Amerikaner hier waren ist noch eine englische Fesselballonabteilung hierher gekommen. Die haben die Brücke bewacht mit Fesselballons. Durch angreifende Tiefflieger sollten die geschützt werden. (Herr Schäfer erzählt wie er eine englische Flagge vom Fesselballon gestohlen hat und dass er sie in den 70ern an einen Engländer zurückgegeben hat.)

SS: Wie konnten Sie die Zeit verarbeiten, oder ist eine Verarbeitung nicht möglich?

Schäfer: Man musste sich selber durchschlagen. Du hast an sonst nichts mehr gedacht. Nur: Überleben. Überleben und durchkommen. Und weiter nicht. Und ich hätte nie gedacht, dass die Städte, Remagen oder Deutschland noch mal so aufgebaut werden würde. Wo jetzt die Volksbank, d.er Schlecker, Bäckerei Müller, neben der Eisdiele, die ganze Straße, die waren am 28.12. Volltreffer... Und gegenüber war ein Geschäft, Koch hieß das. Da waren acht Tote.. Die ganze Ecke, da wo jetzt der Türke ist,... seine Schwiegermutter (Sprecher weist auf anwesenden Herrn Wenz) neben dem Blumen ... das war ja alles weg. Es war hart.

Löffler: Es war wirklich eine schwierige Zeit gewesen. Die kann man sie schnell nicht vergessen... Und dann die ganze Hitlerzeit. Ich war Feldwebel. Und das Schlimmste war nachher... Viele sind abgehauen... hat sich umgebracht. Wir sollten kämpfen bis zum letzten. Wir sollten unsere Panzer... und unsere Kanonen ausfahren... und schießen, schießen bis es nicht mehr geht, Dann erst sollten wir aussteigen. Aber das wäre doch unser Todesurteil gewesen.. Weil mir hatte sich ein anderer Panzer angeschlossen... Wir sind in den Wald. Tarnen uns zu. Wir hatten für 14 Tage / drei Wochen Verpflegung, waren vollgetankt ... alles hatten wir, es hat nichts gefehlt... Einen hatte ich immer als Wache gesetzt. Pass’ auf, wenn der Ami kommt. Der Amerikaner wird sich nie in einen Wald reintrauen. Das wollten mir die anderen aber nicht glauben. Aber ich kannte den Ami. Der ist so... wie er feige ist. Nun ist der den 13. Tag im Wald auf einmal: Der Ami kommt. - Die kommen nicht! – Die kommen immer näher und näher. Ungefähr 50 Meter, noch nicht mal, vorüber. Haben die kehrt gemacht. Die sind abgehauen. Das kann ich ihnen sagen. Die sind bange, auf jedem Baum sitze einer und schießt sie ab. Da haben die Angst. Die sind die größten Angsthasen, die es überhaupt gab. ... Und wenn ein Schuss fällt, kommen die eine halbe Stunde nicht mehr raus. Also, es sind wirklich Feiglinge, keine Helden.

SS: Wo haben Sie gelebt, nachdem Sie ausgebombt worden waren?

Schäfer: Wir sind nach Löhndorf zu meiner Oma. Bis das das wiederaufgebaut worden ist von der Firma Leyendecker, wo wir gewohnt haben. Dann sind wir wieder nach Remagen. Dann bin ich jeden Tag von Löhndorf mit dem Fahrrad nach Remagen gekommen. Morgens runter, abends hin - in Winterszeiten, in Regen und Schnee. Nicht wie heute, die kommen net. Dann hoch Schnee, mit dem Fahrrad. Wie oft auf der Schnauze gelegen von Löhndorf nach Sinzig... Und da mussten wir arbeiten. Du hast nicht gesagt: “Oh, ich komm’ morgen nicht, ich will nicht.“ Du bist gegangen. Und der Meister war streng.

SS: Können Sie etwas über den BDM berichten?

Schäfer: BDM? Nee,... Nur in Remagen war das wo das Medizinalamt ist, da war früher das ... mh, wie heißt das ... die BDM – Stelle, die Hauptstelle vom BDM. - Meine Frau? Die hatten Landwirtschaft zu Hause, da war der Sohn gefallen und dadurch brauchte die nicht in den BDM.

SS: Wie haben Sie Weihnachten während der Kriegszeit erlebt?

Schäfer: Ja, ... Wir hatten nichts. Ohne was organisiertes, ... und sonst nichts. Eine Weihnachtsbaum geklaut, hingestellt, keine Kugeln, nix dran. Ein paar Kerzen dran, da war dat der Weihnachtsbaum.

SS: Was für Schulfächer hatten Sie?

Schäfer: So viele Fächer wie ihr heute, hatten wir damals nie.

SS: Welche Fächer?

Schäfer: Ja, Lesen, Schreiben, Geschichte, Erdkunde, Religion ...

SS: Haben Sie in der Schule nichts von den Auswirkungen der sogenannten Rassenhygiene gemerkt?

Schäfer: Nein, ... Dann kommt der Fliegeralarm, dann wieder aus der Schule, dann in den Keller in der Martinsschule und dann wieder rauf, ja dann war die Schule aus. Ende!

SS: Im Film „Die Brücke von Remagen“ wurde ein Sanitätszug beschossen. Wissen Sie von einem derartigen Vorfall hier in der Nähe?

Schäfer: Ja, und zwar zwischen Bodendorf und Remagen am Reisberg durch Tiefflieger von den Amerikanern. Da waren wie viele Tote und Verletzte bis die Ahrstrecke hoch geht. Und da hat der gestanden gehabt. Trotz rotem Kreuz haben die die beschossen gehabt.

SS: Was haben die Jugendlichen gefühlt.? Haben Sie die Zeit als schwer empfunden?

Schäfer: Wir waren zufrieden. Wir hatten ja nichts. Was heute halt ist ... Radio, vielleicht. Und sonst hatten wir nichts. Wir waren zufrieden.

SS:Wussten Sie von der Weißen Rose oder der Swing Jugend?

Schäfer: Nein, wir haben nur später erfahren, wie das mit den Edelweißpiraten aufkam... Geschwister Scholl.. und da war noch eine. Drei Jugendgruppen waren da. ... Geschwister Scholl und die Edelweißpiraten, die kamen von Köln, Scholl kamen von München und dann noch eine Organisation.

SS:Welche Medien standen in der Freizeit zur Verfügung?

Schäfer: Wir haben abends den Lautsprecher angemacht – äh, den Volksempfänger angemacht. Und dann sehen sie, - da wurde Radio Calais gehorcht. Wo der Amerikaner war. Die Angriffe, wo die Flugzeuge nachts fliegen, äh flogen. Das haben die gesendet. Äh ja ..., das durftest du ja net. Wenn das raus-

Löffler: ..durfte nicht gehört werden...

Schäfer: nicht abgehört werden. Da ging’s, da wurdest du an die Wand gestellt. Das war ’ne

bittere Zeit. Und ... für die Jugend schön. Mehr nichts.

SS:Was haben Sie in der HJ gemacht?

Schäfer: ... Ich war in der Funker – HJ.

Löffler: Sonntag , am Abend, jede freie Zeit mussten ... antreten, antreten ... richtig militärisch gedrillt schon. ... Aber meine Schulkameraden haben auf mich geschimpft: „Mensch hast du es gut! Du hast deinen freien Sonntag, wir müssen jeden freien Sonntag antreten.“ Ja, ...

Schäfer: Ja, und dann war noch eins. Da mussten die Jugendlichen mit 14 / 15 Jahren wurden die zum Westwall geschickt – zum Westwall die Laufgräben ausschachten. Und dann wurdest du in der Kirche oder wo einquartiert auf Heu und Stroh. Und dafür musstest du fünf Meter Graben musstest du an einem Tag machen. Und das war viel. ... wie viele sind laufen gegangen. Mit Kahnen sind sie von ... , oben bei Trier – Wasserbillig mit Kahnen runtergetrieben bis nach Remagen. Nachts nur! ... Das war eine harte Zeit.

Löffler: Ehe wir von dem Gefangenenlager anfangen, will ich eins noch sagen: Im 3. Reich war die Zeit für die Jugend schön. Wir haben antreten gehabt, wir haben gesungen, dann wurde Schnitzeljagd gemacht, dann wurde – also es war an für sich sehr nett. Aber man musste ja antreten. Da haben wir im Wald Räuber und Gendarm gespielt und alles mögliche, also es waren auch schöne Zeiten dabei. ... Es war nicht alles Krieg – es waren auch nette Zeiten dabei. Man hat natürlich ... Die Mädchen beim BDM, ach, haben die Spaß gehabt. Die sind raus und haben da im Wald ... gemacht und haben Spiele gemacht und so. Das war auch schön. ...

SS: Wie sind Sie ins Lager gekommen, Herr Löffler?

Löffler: ... haben wir unseren Panzerspähwagen ... getarnt in einem Waldstück abgestellt und sind mit sechs Mann marschiert bis nach ... – paarweise denn wenn wir zusammen gegangen wären, dann hätten die uns sofort geschnappt... zwei Mann zusammen und dann wollten wir uns wieder treffen. Das hat aber nicht so geklappt. Ich war noch mit einem der letzte. Die anderen hatten sie schon gefangen genommen. Wir zwei marschierten weiter, wie wir in einem Bauernhof übernachten, kamen die Amerikaner. Und die Amerikaner haben gerufen „Come on, come on!“ .. Wir haben uns angezogen ... der andere hat so lange gebraucht bis er sich angezogen hatte ... Da standen sie an der Türe, normale Haustür. Der eine mit ’ner Taschenlampe, der anderes mit ’ner Pistole. Ich habe mit einer Wucht die Hände hochgeschlagen. Der hat die Pistole runterfallen lassen, der die Taschenlampe weggeworfen. Ich raus. Ich hatte zehn Meter bis zum Wald und bin abgehauen. Ich hab’ gedacht: Wenn du zehn Meter im Wald bist, bist du gerettet. Und wenn du nur zehn Meter im Wald drin bist. Da bin ich rein in den Wald. Und hab’ mich hingelegt und dann kam dann der Ami. Und dann hat er gerufen und gerufen: „Herrmann komm’, Herrmann komm’!“ ... Und dann bin ich alleine marschiert. Ganz alleine. Bis nach Sch... Und in Sch., da habe ich an einem Haus gefragt, ob man was zu trinken kriegen kann. Das war ein Nazidorf, ein sehr strenges Dorf. Die haben gesagt, ihr sollt weiter ziehen. Ihr sollt weiter kämpfen. Ihr kriegt nix von uns. Und wenn die gesagt hätten, dass da eine Sperre war wo die Gefangenen ... ich hätte sie umgangen. Aber so hat man mich geschnappt. Dann musste ich ... erst mal abgenommen, ... Verpflegung abgenommen. Nur ein Komissbrot ... (Hier setzte der Schulgong ein) ... nach Gummersbach und da war eine Wiese, so hoch Wasser (zeigt Wasserhöhe mit Händen an), wir standen im Wasser, Tag und Nacht, wir konnten uns nicht setzten und nicht legen, wir mussten stehen bleiben und dann sind wir ... und kamen dann nach Remagen an die Meile. Da gab es ein Lager, hier von Remagen aus, ungefähr vom Schwimmbad bis rauf nach Kripp. Und hinter Kripp ging es wieder weiter bis nach Breisig. Es war ein riesiges Lager, waren 100000 Soldaten im Lager zusammengepfercht worden.

SS: In welchem Lager waren Sie?

Löffler: Lager I, das war drüben das von Remagen bis nach Kripp und dann kam das Lager Sinzig und ging von Sinzig bis nach Breisig. Aber ich bin ausgestiegen. Wo ich hier ankam ... und meine anderen Kameraden, die waren schon im Lager ... ein paar Tage, die hatten nichts zu essen gehabt, gar nichts.

SS: Was können Sie uns über das Leben im Lager berichten?

Löffler: Das Leben im Lager. Wir sind da gelegen im Dreck und es hat geregnet und hat geregnet. Wir haben ... Lautsprecher: Wieder mal ist eine Pistole im Lager gefunden worden. Drei oder vier Tage Essensentzug. Das waren nur Parolen. Das war nicht wahr. Denn jeder der ins Lager kam, der wurde vorher gefilzt. ... Und so wurde das öfters gesagt. Drei Tage Essensentzug. Und so ging es öfters weiter. Jedenfalls wir waren tatsächlich am Verhungern. Wie viele Landser waren – die waren am Schlimmsten dran. Einer war da, der war ein - Ich glaube, der war ein Staatsanwalt gewesen, ... Der hat sich an nichts gestört, der war nicht ansprechbar. Der saß – Dem sind die Läuse aus dem Kragen rausgelaufen, über den Kopf. Den haben die Läuse fasst aufgegessen. Der ist am 8. Tag – Dann gab’s wieder mal zu essen, eine Kleinigkeit, ... etwas Hefe, Hefe gab es immer, etwas Salz und etwas Zucker ... in kleinen Portionen. Und wenn der dann ... weil er alles weggegessen hatte, hat er acht Tage lang nichts mehr gehabt. Weil acht Tage ... Mindestens! Und wir hatten das aufgehoben, das Salz und den Zucker, haben das gesammelt und haben die Sachen verwertet, indem wir mit Hölzchen aus der Erde ... Kartoffeln, die die Bauern als Saatgut eingepflanzt hatten, haben wir rausgegraben. Dann haben wir die gekocht.

Haben die gewaschen. Wasser hatten wir, ... sind extra Wasser holen gegangen. Jedenfalls ... Haben die geschält. ... Es gab Dosen. Und die Dosen wurden aufgeschlagen mit Steinen. Und wir haben daraus ein Messer gebastelt. Damit wir die Kartoffeln schälen konnten. Wir haben die geschält, haben die gewaschen. Haben die Kartoffeln extra gekocht, die Schalen extra gekocht. Haben die gesalzen. Haben die Sachen reingegeben. Und haben dann so einen großen Brei gemacht. Damit man immer wieder .. essen kann. ... Kartoffeln alle. Wir haben keine mehr gekriegt. Dann haben se alle Grass gefressen. Und dann haben sie, wenn ein schwarzer Neger – ein Schwarzer- ...

Der hat rechts und links geguckt, ob kein amerikanischer Weißer da war. Dann hat er . .. Knollenkaul, aus denen die Bauern das Vieh gefüttert haben, hat er uns die Knollen über den Zaun geworfen. Da haben wir uns drauf gestürzt wie die Aasgeier. Und dann haben wir die Knollen gegessen. Jedenfalls, wenn die schwarzen Neger da waren, dann war das eine gute Sache. Das waren die Besten, die es gibt ... So war das!

SS: Welche Leute waren im Lager?

Im Lager waren Soldaten bis Unteroffizier, ... Offiziere sind abgesondert worden. Offiziere waren in Kripp irgendwo in einer Fabrik. Jedenfalls waren da nur Soldaten.

SS: Konnten Besucher ins Lager kommen?

Löffler: Es durfte niemand ... Niemand! Es wollten alle helfen ... Aber die durften nicht reinkommen, die durften nicht helfen ... Wir mussten ... Wir haben – ein Teil hat Grass gegessen. Wir haben Knollen gegessen, rohe Knollen. Und so haben wir durchgemacht. Ich habe einen jungen Mann bei mir gehabt, der war 18 Jahre alt. ... Der hat geheult. Der wollte nicht mehr leben. Der wollte nichts mehr essen, nichts mehr machen. Den haben wir dann aufgepäppelt. Dem haben wir geholfen. „Du musst ... Du musst essen. Der wollte nicht, der wollte tatsächlich sterben. ... Na jedenfalls ... der Alleinstehende ist dann weggestorben. Den haben sie nachher geholt und rausgeschleift. Was waren ungefähr im Lager – 1215 starben an Hunger. Und 300000 gefangene waren im Lager. Es waren noch mehr gestorben. Schätzungsweise 1500. ... Am Hunger und an der Ruhr. Wir hatten einen Donnerbalken ... Da war nur ein Donnerbalken und da mussten wir hingehen und mussten unsere Notdurft darüber verrichten. Und wer schwach war und wer krank war ...

SS: Warum haben die Amerikaner ihnen kaum essen gegeben? Hatten Sie nicht genug?

Löffler: Sie hätten es uns geben können. Aber die wollten das nicht. Ich will nur eins dabei sagen; Der Lageleiter war ein Major und das war ein Jude. Und der fuhr durch’s Lager mit Lautsprecher. Er hat gesagt: Ihr sollt nicht hungern, ihr sollt verhungern. ... Und dann noch diese Äußerung. Verständlich, der Mann war ein Jude, er wollte sich rächen... Er hat sich aber an die Falschen gehalten. Denn diese Leute, die hier im Lager waren, die Soldaten, dass waren Frontkämpfer, es waren Soldaten. Keine SS, wo mit den Juden zu tun hatten. Nie! Aber ...

SS: Hat der 18jährige überlebt?

Löffler: Nein,... das war – wir waren im Lager – ich wollte auch mal abhauen. Und weil ... Arbeitskommando raus nach Kripp. Und da sind 25 Soldaten mitgegangen. Davon sind meistens fünf oder sechs verschwunden, in den Häusern, ... Da wollte ich auch dabei sein. Und ich war drei Tage ... am Tor gestanden. Und dann geht’s „Come on, come on!” … 50 Meter raus – Stopp! - zurück ins Lager. Hat ein Typ gesagt: „ Es geht ins Entlassungslager.“ ... Mensch ins Entlassungslager. Da sind wir wieder am Tor gestanden. Zwei Tage, drei Tage. Am 3. Tag ging’s los: “Come on, come on!“ Die Straße war die Grenze. Meine Landser haben sie mitgenommen. Bis auf den jungen Mann und ich. ... drei Mal. Und er hat geweint. - Wir kommen da rüber und wenn der Teufel auf Stelzen kommt! - Ja, wie? - ... Ach, der Junge hat geheult vor Freude. Der hat gesagt: Mensch, du bist ein Kerl. Mit dir kann man Pferde stehlen. Du bist wirklich in Ordnung. ... Ist nach Hause gekommen... er war von Bayern ... vom Chiemsee.

SS: Wie lange waren Sie im Lager?

Löffler: Ich war acht Wochen drin. Und nachher ist das aufgelöst worden. Ein, ähm, Nachbar von mir aus meiner Heimat, der war auch hier. Der hat sich nicht getraut als Rheinländer entlassen zu werden. ... die Amis sind so blöd, die wissen sowieso nicht, wo Zissen, die wissen sowieso nicht, wo Sigmaringen ist. Ich bin in Oberzissen entlassen worden. ... Dort habe ich meine Frau kennen gelernt. Ja!

Schäfer: Ich war damals bei der Firma Krahl als Lehrjunge. Und auf einmal kamen drei Offiziere angefahren in der Werkstatt. „Come on!“ – da mussten wir aufsteigen und sofort mit ins Krankenhaus fahren. Da musste die Wasserversorgung im Krankenhaus wieder aufgebaut werden. Na, wir dahin. Als erstes bekamen wir so zehn Pillen ... und die mussten wir unter Aufsicht von den Offizieren schlucken. Mi einem Glass Wasser. Weil im Krankenhaus waren alles nur Ruhrkranken. Ich hab’ gesehen, wie sie wlen – elend kaputt gingen. ... Wenn die manchmal so liegst, bisschen ... und siehst wie die dort elend ... Und morgens kam der Tankwart, also der LKW – ... Am Kopf, an den Beinen angepackt, sst, auf den Wagen – wie ein Stück Brot. ... Solche Szenen vergisst man nicht. Und wenn man auch so alt ist. Das bleibt immer noch im Kopf drin. Das war hart. Noch ’n Stück für’s Verzählen. Remagen hatte 47 – äh, 74 Rohrbrüche, da waren die Leitungen kaputt in Remagen. Und die musste ich als Lehrjunge schon mit reparieren. Da mussten wir et Wasser von hier, von der Stadt, bis zur Apollinariskirche es Wasser holen gehen. Weil die Leitungen kaputt waren. DA war der einzige Brunnen noch – eine Pumpe ...

Löffler: Da will ich das Letzte noch sagen. Wie wir im Lager waren, war ein (schreckliches?) Wetter. Es war Regen Tag und Nacht. Es war ein ..., ein Matsch, ein Dreck ...

Und da haben wir mit den Händen und mit einem Stöckchen ein großes Loch gemacht, so dass wir rein passten. Sechs Mann. Haben wir uns rausgebuddelt. So viel dass man geschützt war. Dann haben wir und reingelegt. Wie die Heringe aneinander. Um sich zu wärmen. Wir haben eine Dachdecke gebaut, aus Gestrüpp und Rasen. Und dann mussten wir aufpassen,. Es war nämlich vielen der Sarg. Viele sind dort rüber marschiert, nachts zur Toilette und dann sind sie eingekracht und sind erstickt. Und so haben wir auch eine Decke drüber gemacht und haben aber mit Hölzchen weiße Papierfetzten abgesteckt, damit jeder sehen soll: Hier drunter liegen welche. Man konnte von oben ja nicht sehen, weil da Rasen drauf war. ... Aber es st öfters passiert, dass Leute zur Toilette gingen und ... sind erstickt ...

SS: Wenn Sie in Remagen spazieren gehen, können Sie die Stelle ausmachen, an der Sie gelegen haben. Was empfinden Sie, wenn Sie diese Stelle sehen?

Löffler: Ja, es geht mir durch Mark und Bein. Wenn ich dort noch mal bin und sehe, dass ... Ich habe gesagt: Nie mehr im Leben werde ich dieses Fleckchen Erde betreten und bin trotzdem geblieben ... Ich hätte ja nie gedacht, dass ich hier bleiben werde ...

SS: Gibt es einen Tag, an dem Sie nicht an diese Zeit denken müssen?

Löffler: Wenn ich so abends schlafen gehe und bin erregt, dann fällt einem wieder was ein. Und man denkt man auch dran, wie schlecht – Man freut – man sich, das man, Gott sei Dank, überlebt hat. Dann denkt man über den Wahnsinn, den man gesehen hat ... Wir haben uns sozusagen aufgenommen gegenseitig. ... Einzelgänger ... Aber sonst wären wir sonst auch nicht. Die haben uns echt verhungern lassen wollen. Wenn die Offizieren, die höheren Offiziere ... Für den Lagerleiter, für den war das eine Rache! Viele Tausende, Abertausende, 300 000 Mann im Lager, flogen mit Flugzeugen drüber und haben fotografiert. Haben Aufnahmen gemacht und haben es in Amerika in die Zeitungen, in die Illustrierten, die Bilder geschrieben: „Die Barbaren auf engstem Raume zusammen eingepfercht.“

SS: Sie haben eben erzählt, Sie hätten sich im Lager von Gras ernährt. Was gab es zu essen, als Sie noch nicht in Gefangenschaft waren?

Löffler: Wo ich noch nicht in Gefangenschaft war? Da hatten wir zu essen ... Und sind dann losmarschiert. Wir hätten doch niemals gedacht, dass wir in Gefangenschaft kommen. ... Aber die haben solche Sperren eingesetzt. Alle Zivilisten, alle aus’m Dorf geschnappt. Ich war ja Zivilist. Ich hatte meine Panzeruniform an und über meiner Panzeruniform hatte ich einen Hochzeitszug – Hochzeitsanzug von einem Bauern ... über meiner Uniform. Und diesen Anzug habe ich gekriegt, weil ... Wir haben immer etwas getan.

SS: Wissen Sie, ob es Kämpfe in Remagen gab?

Schäfer: Nix ... reibungslos über den Rhein. Ging reibungslos es durch die Stadt und dann über die Brücke. Und dann ist Remagen ja die Amis waren die hier, und da ist Remagen, am zweiten Tag ist Remagen evakuiert worden. Die Remagener waren drei Wochen weg. Da war Remagen tot. Die sind alle nach hier nach Ahrendorf, ..., Lüttgenberg, im Tunnel nach ... , in Neuenahr. Die Amerikaner hatten Angst es käm’ noch mal ein Brückenkopf – die kämen noch mal zurück, die Deutschen. Und damit wollten die Bevölkerung schützen. Und dann ist in Remagen – die Ersten kamen zurück vor Ostern ... nach drei Wochen sind die zu Fuß zurückgekommen.

SS:Was haben ihre Eltern bei der Evakuierung empfunden?

Schäfer: Die waren ja in Löhndorf!

SS: Ach, Sie haben davon also gar nichts mitbekommen?

Schäfer: Meine Frau, die war ja evakuiert nach Ahrendorf. Alle auf dem Platz abgestellt: „So, seht zu, wie ihr zurecht kommt!“

SS: Habe ich das richtig verstanden: Die Amis wollten die Deutschen vor ihren eigenen Leuten schützen?

Schäfer: Ja, genau so war das. Die hatten gedacht, durch den Brückenkopf... (Hier endet die Aufnahme)