,,Mit unnachahmlicher Treue" so bewunderte man vor gut 150 Jahren die Erfindung der Fotografie eines gewissen Herrn Daguerre.
An dieser Faszination hat sich trotz der vielen Stilrichtungen, die die Fotografie bisher hervorgebracht hat, nichts geändert; die Faszination nämlich, daß mit dem ,,Apparat" ganz subjektive Bilder hervorgebracht werden können, obwohl eine Kamera, also eine Maschine mit einem Objektiv, dazwischengeschaltet ist.
Wolfgang Cohnen unterliegt dieser Faszination der Fotografie seit jungen Jahren. Seine Arbeiten in Schwarz/Weiß belegen zwingend, wie konsequent er mit dem Medium Fotografie das Ziel verfolgt, aus dem vorgefundenen oft aber auch aufgesuchten Chaos Natur eine neue Wirklichkeit, damit meine ich seine Bilden, zu schöpfen.
Ein kleiner Teil dieser Arbeiten findet sich in dieser Sammlung. Auch diese Bilder kreisen um die Themen
| Gestein | |
| Wasser | |
| Holz | |
| Strukturen der Vergänglichkeit. |
Wolfgang Cohnen geht mit seinen Darstellungen dabei immer nur soweit in die reine Abstraktion, wie es nötig ist, um den Ausdruck
| der statischen Beharrlichkeit, | |
| des Alters | |
| der Härte | |
| der Kälte |
von Stein zu verdichten.
Das trifft ebenso zu für den ganz anders gearteten Ausdruck des Wassers:
| das ständig Fließende | |
| sich dynamisch Verändernde. So nimmt auch Holz den Ausdruck | |
| des organisch Wachsenden | |
| der Wärme |
an.
Im Gegensatz dazu erinnern die abblätternden Strukturen an
| Alterung | |
| Veränderung | |
| Vergänglichkeit. |
Es wird also erkennbar, daß es bei den ganz auf das Wesentliche beschränkten Nahaufnahmen nicht darauf ankommt, wo und wann genau sie entstanden sind. Sie werden bewußt von ihrem zeitlichen und geographischen Zusammenhang befreit. Zeichen der Natur werden in ihrer fotografischen Verdichtung zu Metaphern der menschlichen Existenz.
Die Form dieser Bilder möchte ich im besten Sinne poetisch nennen, weil sie mit der weiten Palette vom schweren Schwarz bis zum zartesten Weiß so sorgsam, so liebevoll umgehen. Dem Betrachten der sich diesem ernsthaften Spiel von Schwarz und Weiß öffnet, wird sich eindringlich vermitteln, was Wolfgang Cohnen zu sagen hat: auf das ,,Was" der Abbildung kommt es nur vordergründig an; wichtig ist ihm das ,,Wie", das den Ausdruck seiner Bilder bestimmt.
,,Das Antlitz der Natur", so heißt diese Sammlung: ihre Bilder haben das Wesentliche eines guten Portraits: die innere Wahrheit, die über das Abgebildete hinausreicht.
WOLFGANG BOGDANSKI, Fotografie, Firma BILD & RAUM, Neukirchen Vluyn, Ndrh.